Achtsamkeit – was soll das eigentlich?

Achtsamkeit – was soll das eigentlich?

Von Eva Stuhr

Alle Welt redet von Achtsamkeit und Life-Work-Balance. Doch was genau verbirgt sich hinter der Achtsamkeit?

Definition & Bedeutung

Achtsamkeit bedeutet, dem jetzigen Moment des Lebens eine besonders intensive Beachtung zu schenken. Den Sein-Zustand einfach nur zu beobachten, ohne ihn zu bewerten. Es geht um die bewusste Wahrnehmung des Augenblicks.

Wir betrachten den derzeitigen Moment so, als wenn wir von außen darauf gucken.

Beispiele:

Stellen wir uns einmal vor, wie wir in unserem Garten eine Blume pflanzen. Wir sind in unseren Gedanken ganz bei dieser Tätigkeit und denken dabei nicht darüber nach, ob uns diese Blume gefällt, oder nicht. Während unseres Tuns sorgen wir uns nicht darum, ob sie anwächst und lassen unsere Gedanken nicht weiter abschweifen. Es geht nur darum zu beobachten, wie wir diese Blume in die Erde pflanzen. Wir beobachten unsere Hände, fühlen die weiche Erde, spüren das Leben in dieser Blume. Währenddessen sind wir ganz und gar in diesem Moment und leben im Hier und Jetzt. Diese gegenwärtige Aufmerksamkeit nennt man Achtsamkeit.

Ein weiteres Beispiel kommt aus dem Sport:

Wenn wir uns in einem Tennismatch ständig von unserem Ärger über die herausragende Spielstärke des Gegners ablenken lassen, wird uns dies sicherlich ein schlechteres Ergebnis einbringen. Wir sind abgelenkt und unachtsam uns selbst gegenüber.
Wenn wir uns hingegen nur auf uns und unser Spiel konzentrieren und uns auf besondere Weise wahrnehmen, sind wir in einem Zustand der Achtsamkeit; Wir sind in Gedanken ganz bei uns und unserem Spiel, fühlen den Ballkontakt, hören das schöne Ploppen eines gut getroffenen Balls, spüren unser Muskelspiel während der Anstrengung. Wir gehen in unserem Spiel auf und vergessen alles um uns herum. Es ist das Erleben im gegenwärtigen Augenblick und wir fühlen die Intensität des Seins.

Der Flow

Manche sagen, dass man sich in diesen Momenten in einem „Flow“ befindet. Das Wesen des „Flow-Zustandes“ ist dadurch gekennzeichnet, dass man sich ganz auf die Tätigkeit konzentriert und darin aufgeht. In diesem Stadion vergisst man Zeit und Raum und befindet sich in dem Gefühl einer gelassenen Leichtigkeit. Allerdings zeichnet sich der „Flow“ dadurch aus, dass unsere Fähigkeiten den Anforderungen der Situation entsprechen. Wir erbringen im „Flow“ also meist sehr gute Leistungen; gefühlt wie von selbst, ohne besondere Anstrengung.

Abgrenzung zum Flow

Die Achtsamkeit ist dem „Flow“ sehr ähnlich. Allerdings ist es unerheblich, ob wir eine Sache gut oder schlecht ausführen. Wir tun es einfach und beobachten unser Tun. In der Achtsamkeit bewerten wir nicht.
Die achtsame Wahrnehmung unseres „Tuns ist nur ein Aspekt der Achtsamkeit. Genauso ist das bewusste Beobachten unserer Gefühle oder Körperempfindungen ein Teil der Achtsamkeit. Auch das detaillierte Beobachten deiner Umwelt kann deinen Geist in der natürlichen Aufmerksamkeit des Geistes ruhen lassen.
Die Achtsamkeit findet sich in den kleinen Dingen des Alltags wieder: z.B. im intensiven Betrachten eines Schmetterlings im Garten:
Schmetterling

Ein Schmetterling für die Achtsamkeit

Achtsamkeit im Alltag:

Für einen Moment innehalten und der untergehenden Sonne zuschauen, beim Bügeln nur auf die Wäsche, den Duft und den Stoff zu achten und einfach zuzuschauen, wie es uns gelingt die Falten aus dem Stoff zu entfernen…..all dies sind kleine Zufluchten in die Gegenwart.
Hast du schon einmal die faszinierende Schönheit einer Pusteblume entdeckt? Die feingliedrigen Samen des abgeblühten Löwenzahns, die in Form einer Kugel auf dem Stiel zusammenstehen? Schon durch einen leichten Windhauch können sie hinfort getragen werden….
Als Kind habe ich es besonders geliebt, dem Klackern meiner Schuhe beim Gehen zuzuhören. Ich habe mich ganz und gar dem Geräusch hingegeben und das geliebte Klackern meiner schicken, neuen Schuhe bewusst wahrgenommen. In diesen Momenten fühlte ich mich irgendwie glücklich….

„Werdet wie die Kinder …“ (sagte Jesus schon in der Bibel: Matthäus 18;2)

Wenn du deine kindliche Achtsamkeit zurückerlangen möchtest, bedarf es einiges an Übung.
Wir sind es in unserem hektischen Alltag gewohnt mehrere Dinge auf einmal zu bewältigen. Während wir frühstücken, werden gleichzeitig die Emails gecheckt, wenn wir Autofahren hören wir Radio und telefonieren sogar noch nebenbei mit einem Kunden. Die Mutter räumt die Wohnung auf, während sie zeitgleich die Hausaufgaben der Kinder abfragt und das Essen kocht….

Wozu soll Achtsamkeit gut sein?

Mit Hilfe der Achtsamkeit können wir zurück in unsere innere Mitte finden. Sie hilft uns in die Entspannung und in die Gelassenheit zu gelangen. Diese Form der Rückbesinnung auf uns selbst bringt uns Klarheit, Fokus und innere Ruhe.
Ein entschleunigtes Leben schenkt uns mehr Zeit. Es klingt paradox; doch je bewusster und intensiver wir den Moment wahrnehmen, desto gefühlt langsamer vergeht die Zeit.
Wenn wir achtsame Momente erleben, manifestieren wir den Augenblick für die Ewigkeit. (E.Stuhr).
Sie bleiben uns wahrhaftig in Erinnerung.
„Erinnerungen sind Manifestationen intensiv gelebter Augenblicke“ (E. Stuhr).
Das Bewusstmachen unseres Verhaltens, unserer Gefühle und unserer Gedanken gibt uns die Kontrolle über uns zurück.
Es lohnt sich also sie regelmäßig zu trainieren. Aus diesem Grund habe ich mir heute eine kleine Achtsamkeitsübung für dich ausgedacht. Es geht um das
Üben des inneren Beobachtens:

Achtsamkeit im Alltag – Übung 1:

Halte für einen Augenblick in deinem Alltags-Geschehen inne und schließe deine Augen. Nun stelle dir ein positiv besetztes Wort vor. Zum Beispiel das Wort Liebe…….
Beobachte nun, welche Bilder in dir entstehen, wenn du dir dieses Wort innerlich sagst. Es ist dabei völlig gleichgültig, wie dein Bild aussieht.
Wichtig ist einzig und allein, dass du dieses in dir aufkommende Bild beobachtest;
ohne Gefühl und ohne Bewertung.
Dein Bild muss nicht dem Bild deines Partners/in entsprechen. Es muss auch kein rotes Herz sein.
Es kann auch eine grüne Ente, eine Rakete oder ein Regenwurm erscheinen.
Dein Bild muss ganz und gar nichts mit dem Wort „Liebe“ zu tun haben.
Darauf kommt es nicht an. Schaue nur zu…. beobachte….. vielleicht verändert es sich….
vielleicht auch nicht. Ganz gleich. Nur zusehen, was du siehst.
Verweile einen Augenblick bei deinem Bild und warte auf den Moment, wo du das Bedürfnis hast,
dich innerlich von dem Bild zu verabschieden. Öffne deine Augen und gehe deinen Tätigkeiten weiter nach.
Übe in der nächsten Woche ein paar mal. Es wird immer besser funktionieren und es können immer neue und unterschiedliche Bilder in dir entstehen…… beobachte einmal was in dir passiert. Wenn du Lust hast, kannst du deine Erfahrungen gerne hier mit den anderen teilen…..
PS: Falls in dir keine inneren Bilder aufkommen wollen, mache dir keine Gedanken. Vielleicht bist du kein visueller Mensch. Möglicherweise hörst du einen besonderen Klang, oder empfindest ein bestimmtes Gefühl. Es kann auch sein, dass du eine bestimmte Region in deinem Körper spürst, die sich bemerkbar macht. Entdecke einfach, was sich in dir regt und was du wahrnimmst.
Viel Spaß!

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