Sich nicht alles so zu Herzen nehmen – wie man es lernt

Sich nicht alles so zu Herzen nehmen

wie man es lernt –

Du bist oft getroffen von dem unsensiblen Verhalten deiner Mitmenschen? Lies hier, wie du besser damit umgehen kannst.

befreie dich von Wut, Schmerz und Opfertum

Den Parkplatz vor der Nase weggeschnappt, ein unpersönliches Geschenk erhalten, ein unfreundlicher Verkäufer, ein genervter Chef, eine Kundin, die mir am Sonntagmorgen vor der Nase die letzten Brötchen weg schnappt, eine Kollegin, die mich anblafft, weil ich in ihren Augen irgendetwas falsch gemacht habe. Sich nicht alles so zu Herzen nehmen? Gar nicht so leicht!

Wir alle kennen diese Situationen zur Genüge. Unser Alltag ist voll von negativen Ereignissen und Menschen, die uns mürrisch und missmutig begegnen.

Wie wir meist reagieren…

Man könnte natürlich gleichgültig, oder gar wütend darauf reagieren und den, oder die andere als „Vollidioten“, „Blödmann“ oder „dumme Kuh“ beschimpfen und sich auf das selbe Niveau herab begeben. Das entlädt zwar vordergründig unsere eigene Wut und Empörung über das ungerechte Verhalten des Gegenübers, hinterlässt aber bei den meisten von uns irgendwie einen schalen Nachgeschmack von „sich schlecht – fühlen“ und Wut im Bauch. Nicht selten vergiften wir den Rest unseres schönen Tages mit negativen Gedanken und Rachegelüsten.

Sensiblere Zeitgenossen reagieren auf verbale und ungerechte Angriffe auf die eigene Person zunächst mit einem leichten Schockgefühl. Gefolgt von Verdrossenheit und vielleicht sogar Schuldgefühlen, weil sie sofort darüber nachdenken, ob der andere wohl Recht haben möge. Während sie  mit ihren Gefühlen beschäftigt sind, fällt ihnen natürlich nichts Gescheites ein, um dem vermeintlichen Gegner eine adäquate Antwort zu verpassen. Im Nachhinein ärgern sie sich über ihre Unfähigkeit und darüber, dass sie sich das gefallen lassen haben.

Beide Reaktionen sind nicht optimal und führen zu Verdrossenheit und schlechter Laune.

Das Opfer

Völlig zerstörerisch ist es, wenn wir uns die unangemessenen Angriffe unseres Gegners zu Herzen nehmen, und uns mit Schuldgefühlen und Scham beladen. Wir fühlen uns schuldig und gleichzeitig als Opfer. Befinden wir uns erst einmal in diesem schuldbeladenen Opfer-Modus, so nehmen wir auch unsere Umwelt überwiegend mit der „Opfer-Brille‚“ wahr. So erscheinen uns oft banale Begebenheiten so, als wären sie gegen uns gerichtet;

Die rote Ampel, wenn man es eilig hat, das versalzene Essen beim Mittagstisch, die vergessene Lieblingswurst, welche unsere Frau vergessen hat einzukaufen…..

All dies sind Banalitäten, die uns sofort in den Status des „ich werde nicht richtig geliebt“-Werdens versetzen. Bleiben wir in diesem vergiftenden Gedankenkreislauf hängen, betrachten wir nahezu jede Gelegenheit, die nicht unbedingt zu unseren Gunsten ausfällt, als schicksalsträchtige Ereignisse, die nur den einzigen Zweck haben; uns zu verärgern…. Und so wandern wir zunehmend mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf durch unseren Alltag. Gleichsam suchen wir unbewusst immer wieder nach Bestätigung unseres verinnerlichten Glaubenssatzes, dass wir doch arme Opfer-Würstchen“ sind.

Ist in unserer Persönlichkeit auch gleichzeitig noch ein Hang zum Narzissmus angelegt, so neigen wir gerne dazu die Schuld für unsere schlechte Behandlung im Außen zu suchen. Insbesondere intime Partnerschaften werden durch die ständigen Schuldverschiebungen des Opferpartners stark belastet. Doch diese extreme Ausprägung des narzisstischen Opfertums soll nicht weiter Gegenstand dieses Artikels sein. Vielleicht widme ich diesem Phänomen mal einen eigenen Bericht…..

Uns sollte nun vielmehr die Lösung interessieren, wie man aus dem Opfer-Gedankenkreislauf möglichst unbeschadet und einfach wieder herauskommt.

Was also nun tun, wenn wir uns die verbalen Angriffe und Boshaftigkeit anderer Menschen zu sehr zu Herzen nehmen?

Die Lösung

Der erste Schritt,

den wir unternehmen müssen, ist ein Perspektivenwechsel.

Wir können einfach lernen, diese Umstände anders zu bewerten. Wir sollten uns zunächst einmal darüber klarwerden, dass nichts, aber auch rein gar nichts, von dem, was unser Angreifer uns entgegen pustet, auch nur ansatzweise irgendetwas mit uns zu tun hat.

Das, was unserem „Gegner“ über die Lippen kommt und uns bedrohlich entgegenschleudert, hat einzig und allein nur, mit ihm selber zu tun! Es sagt absolut nichts über unseren Wert aus und auch nichts über unsere Persönlichkeit. Ein Geldschein hat immer den gleichen Wert, auch wenn er verknüllt oder verdreckt wurde……

Ungerechtes Verhalten dir gegenüber ist ausschließlich die Charakterschwäche des Angreifers, seine verzerrte Wahrnehmung, seine Unfähigkeit seine Unzufriedenheit adäquat zum Ausdruck zu bringen….

Der Autofahrer, der uns den Parkplatz vor der Nase wegschnappt, meint uns nicht persönlich, denn er kennt uns überhaupt nicht! Sein Verhalten sagt einzig und allein etwas über seine egoistische Persönlichkeit aus. Und auch das kann man mit Sicherheit nicht unbedingt behaupten; vielleicht muss er dringend auf die Toilette und weiß sich nicht anders zu helfen, als ausgerechnet dir den Parkplatz vor der Nase weg zu schnappen, um schnell in das anliegende Restaurant zu flitzen, und das dortige Kloh aufzusuchen.

Die pöbelnde Kassiererin, mag vielleicht von ihrem Chef gerade eine Überstunde aufgebrummt bekommen haben. Und da, obwohl sie doch ihre kleine Tochter dringend vom Kindergarten abholen muss. Nun weiß sie sich in ihrer Hilflosigkeit und Wut nicht anders zu helfen, als dich anzupöbeln, weil du vielleicht ein bisschen zu langsam die Ware auf das Band gelegt hast. Diese Erklärungsbeispiele sollen nicht dazu führen, das Verhalten dieser Menschen zu entschuldigen. Es sollte lediglich dazu dienen, dir klarzumachen, dass das unangemessene Verhalten dir gegenüber, nichts mit deiner Person und deinem Wert zu tun hat….

unser Gefühl

Was passiert nun in uns, in dem Moment, wenn uns jemand angreift, oder ungerecht und schlecht behandelt? Was fühlen wir?

Die meisten von uns fühlen sich erstmal ein wenig geschockt, weil die Angriffe häufig unerwartet kommen. Hinzu kommen weitere Gefühle, wie etwa Gefühle von Kleinheit, Schuld, Ängstlichkeit, Wut und Empörung, bis hin zu Traurigkeit.

Wichtig ist jetzt zu erkennen, dass diese Gefühle durchaus berechtigt sind und nicht abgewehrt werden sollten! Sie dürfen da sein, denn sie wollen uns auf etwas Bestimmtes hinweisen. Ja, man könnte sagen, sie dienen unserem Schutz; als eine Art Kontrollenergie, die uns vor weiterem Schaden bewahren möchte.

Der zweite Schritt:

Im weiteren geht es also darum, die Gefühle zu beobachten, wahrzunehmen und vor allem: sie anzunehmen, wie einen Freund.

Wichtig ist jedoch hierbei der innere Dialog:

Sage dir nicht: „Ich BIN wütend“, oder „Ich BIN schuldig“.

Betrachte deine Gefühle lieber als eine Energie, die zu dir kommt, wie ein freundschaftliches Signal…………………………

Aktiviert durch einen äußeren Trigger (dem Angreifer) ……………………………erscheint das Gefühl…………….wie ein Freund, der dir etwas mitteilen möchte…, gib den Gefühlen Raum, um sie dann, wenn die Energie lange genug da sein durfte und beachtet wurde……………………….. wieder loszulassen. Manchmal wollen uns diese Gefühle sagen; „meide diese Menschen, sie tun dir nicht gut…“

Lasse die Gefühle nicht mit deiner Person als Ganzes verschmelzen, indem du sagst; „ich bin…….“, sondern bedenke:  Deine Gefühle sind nicht DU!!!

Es sind nur Gefühle und Energien, die gesehen werden wollen.

Sage also lieber: „Ich fühle mich wütend“, oder „ich fühle mich traurig“, etc..

Dadurch gelingt es dir, die Gefühle distanziert von dir zu betrachten, ihnen gleichzeitig aber auch genügend Beachtung zu schenken. Diese Vorgehensweise ist ein Akt der Selbstfürsorge, denn du stellst Kontakt zu dir her und schenkst dir selber Beachtung und Respekt.

Nehmen wir einmal

folgendes Beispiel:

Eine Frau beschimpft  mich im Straßenverkehr, weil ich vermeintlich zu dicht an ihrem Auto geparkt habe.

Meine Gefühle: ich fühle mich betroffen, ich fühle mich wütend und verärgert.

Unabhängig davon, wie ich auf den Angriff reagieren, (ich könnte zum Beispiel laut zurück schimpfen und mich verteidigen) geht es hier nicht um unsere Reaktion auf das Gegenüber, sondern auf den Umgang mit uns selber!

Sitzen wir wieder im Auto, könnten wir beispielsweise laut vor uns hin sprechen:

„Ich fühle mich wütend, ich fühle mich hilflos, ich fühle mich ungerecht behandelt!…“

Lasse jetzt deinen Gefühlen genügend Raum. Finde einmal heraus, wo sich dein negatives Gefühl im Körper befindet.. ………………Lasse es zu………………………………………………. gib den Gefühlen ihre Daseinsberechtigung und ihren Raum………………….. Die Energie darf da sein……………………………… Was möchte mir das Gefühl sagen?

Visualisierungsübung:

sich nicht alles zu Herzen nehmen

Vielleicht kannst du das unangenehme Gefühl auch als ein Bild visualisieren: zum Beispiel als eine graue Wolke, welche sich in deinem Bauchraum befindet und sich immer weiter ausdehnt und dir Unbehagen bereitet…………………………Beobachte das Geschehen einen Augenblick und lasse das unangenehme Gefühl zu…..solange, bis es anfängt, sich zu verändern………wenn du magst, kannst du dem Gefühl auch die Frage stellen, was es dir sagen möchte…… worauf es dich hinweisen möchte, oder an was es dich erinnert?….. Vielleicht an eine Person oder an eine Begebenheit, die dich schon in früheren Zeiten verletzt hat und welche du noch nicht gänzlich verarbeitet  hast…… lausche gespannt und achtsam auf die Antwort, welche dein Inneres für dich bereit hält……

Solltest du eine Antwort erhalten (meist ist es eine Art Intuition), so bedanke dich bei dem gegenwärtigen Gefühl dafür, dass es da war und dafür, dass es dir diesen wichtigen Hinweis schenkt.

Lasse nun…………………..nach einiger Zeit……… dein Gefühl (in Form der grauen Wolke, oder was auch immer du sonst siehst) aus deinem Körper heraus schweben und in den Himmel emporsteigen. Schaue dir die dunkle Wolke an und beobachte, wie sich aus der Wolke heraus ein kräftiger Regenschauer bildet und die Wolke abregnet. Lasse alles heraus und beobachte, wie die Wolke immer kleiner wird………………bis sie sich langsam auflöst, um letztendlich am Horizont zu verschwinden…………………………………..

In dem Moment, in dem wir die Dinge zu persönlich nehmen, oder uns das von außen Gesagte zu sehr zu Herzen nehmen, beziehen wir die Worte und das Verhalten des Anderen auf uns und stimmen ihm unbewusst zu.

Unbewusst sind wir davon überzeugt, dass wir minderwertig sind. Dann geben wir unserem Gegenüber recht und lassen seine Worte durch unsere Schutzschilde hindurch.  In diesem Moment trifft uns der energetische Pfeil des Angreifers mitten ins Herz.

Und hier liegt der Kern des Problems:

Nicht die Tatsache, dass unser Angreifer etwas Boshaftes zu uns gesagt hat, oder uns ungerecht behandelt hat, führt dazu, dass wir uns seine Worte zu sehr zu Herzen nehmen, sondern die Tatsache, dass wir ihm Glauben schenken und Recht geben. Der Schmerz eines mangelnden Selbstwertgefühles und einer geringen Selbstwertschätzung kommt dadurch in uns an die Oberfläche……

Wenn wir an dieser Stelle – wie eine starker Baum – geerdet sind, unsere Wurzeln des Selbstvertrauens tief in der Erde verankert sind, wir gelassen und sicher mit beiden Beinen auf der Erde stehen, im Frieden und im Einklang mit unseren Gefühlen und unserem Wert, so könnten wir erkennen, dass die negativen Emotionen, die uns durch den anderen entgegen geschleudert werden, seine Hilflosigkeit und seinen Schmerz zum Ausdruck bringen und nicht unsere/n.

Und was hat das alles mit mir zu tun?

An dieser Stelle wird deutlich, dass die Art und Weise, wie wir auf Angreifer von außen reagieren sehr viel mit unserem Selbstwertgefühl zu tun hat. Unser Selbstwertgefühl entscheidet darüber, ob wir es zulassen, dem anderen recht zu geben und unsere Grenzen und Schranken zu durchbrechen, oder ob wir innerlich stark genug sind, um zu sehen, dass wir auch dann wertvoll und gut sind, wenn wir von außen schlecht behandelt werden.

Es ist immer eine Frage, wie viel Macht wir dem anderen über uns geben.

In dem Film „Star Wars“ wurde ein sehr energetischer Slogan entwickelt, den ich an dieser Stelle sehr passend finde:

Möge die Macht mit dir sein!“

Wenn wir diesen Satz so verstehen, dass wir die Macht über unsere Gefühle und die Macht über unsere Wertschätzung uns selbst gegenüber stets behalten und es nicht zulassen, diese Macht auf den anderen zu übertragen, so haben wir bereits des Rätsels Lösung in den Händen!

Wenn dir jemand einen Ball zu wirft, so musst du ihn nicht fangen. Du kannst auch zu sehen, wie der Ball auf den Boden fällt und liegen bleibt.

Durch diese Vorstellung kannst du erkennen, dass die negative Energie, welche dein Gegenüber bei dir abladen wollte, verpuffen kann, indem du sie nicht annimmst. Die Rücksichtslosigkeit mancher Menschen dir gegenüber bedeutet nicht, dass du keine Rücksichtnahme verdienst. Deinem Gegenüber mangelt es an Rücksichtnahme, nicht dir!

Der Angreifer ist so sehr in seinen negativen Gedankenmustern gefangen, dass er keinen Platz für Freundlichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme in sich trägt.

Denke von nun an: „Das Problem liegt außerhalb von mir!“

Möge die Macht mit dir sein!

(und nicht bei dem anderen)

 

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