ADS – Das Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom

ADS – Das Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom

Wenn Kinder unter dem ADS Syndrom leiden (nicht zu verwechseln mit ADHS, wo noch die Hyperaktivität hinzukommt), dann ist das für die Betroffenen und deren Angehörige oft nicht leicht. Insbesondere die Mütter, die meistens immer noch für den Hauptteil der Erziehung verantwortlich sind, stehen vor einer großen Herausforderung. Gängige erzieherische Maßnahmen greifen in der Regel nicht.

Die Symptome von ADS

Ständig trödelt das Kind herum, vergisst alles und jeden und kann sich einfach schlecht konzentrieren. Es schaut verträumt durch die Gegend und nimmt wenig von dem wahr, was gerade um es herum passiert. Es scheint, als würde das Kind hinter einer unsichtbaren Mauer leben, gefangen in seiner eigenen Welt.

Das Defizit der Aufmerksamkeit

Die Aufmerksamkeit des Kindes wird einfach von anderen Gegenständen und Ereignissen gefesselt, als von dem, was vermeintlich gerade „wichtig“ ist. Wobei „wichtig“ davon  definiert wird, was die Eltern/Schule/Erziehungsberechtigten/Gesellschaft als „wichtig“ vorgeben: Ob es der Lehrstoff in der Schule ist, die Fähigkeit zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein, oder einfach das strategische Handeln; all das verschwindet in einem eigenen Konstrukt von Zeit und Raum. Die Prioritäten des Kindes liegen einfach woanders. Nur die eigenen Interessen sind maßgeblich für das Handeln und Lernen des betroffenen Kindes. Mit erstaunlicher Leichtigkeit kann es das lernen, was es interessiert.

Der allgemeine Überblick über das große Ganze geht Ihnen jedoch häufig verloren.

Ihr Potenzial – ein erfülltes Leben trotz oder gerade wegen ADS

Stattdessen sind diese meist liebenswerten Wesen oft sehr feinfühlig und kreativ. Sie sehen die Welt mit anderen Augen. Häufig ist es sogar so, dass diese Kinder (und Erwachsenen) eine außergewöhnliche Begabung besitzen. Sei es im musischen, oder künstlerischen Ausdruck. Sie verfügen über eine derartige Ausdauer, Hingabe und Exzellenz in ihren speziellen Interessengebieten, dass sie nicht selten Großartiges hervorbringen. Berühmte ADS/ADHS Persönlichkeiten sind z.B. Albert Einstein, Bill Gates, Emma Watson, Walt Disney und Wolfang Amadeus Mozart. Die Banalitäten des Alltages sind für sie jedoch schwer zu handhaben. Das Bild des „zerstreuten Professors“ steht als Sinnbild für diese Krankheit.

„Jeder ist ein Genie! Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben denken er sei dumm.“

Albert Einstein

Der Film über ADS

Ein sehr berührendes Zeichentrickvideo des schwedischen Filmemachers Erik Rosenlund veranschaulicht, wie es Kindern mit ADS wirklich geht und was sie in ihrer Welt wahrnehmen und empfinden.

Der Film verdeutlicht, wie schwierig diese Störung für die Betroffenen sein kann und erinnert uns daran, dass wir sowohl betroffenen Kindern, als auch Erwachsenen mit mehr Respekt, Liebe und Einfühlungsvermögen begegnen sollten.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

 

Die Ursachen von ADS

Bei der ADS/ADHS – Erkrankung liegen die Ursachen in einer Fehlfunktion des Gehirns. Die Aufnahme und Weiterverarbeitung von Informationen im Gehirn unterliegen einer Störung. „Normale“ Menschen nehmen die Informationen durch einen Filter auf und sortieren sie nach wichtig und unwichtig. ADS/ADHS Betroffene nehmen hingegen alle Informationen gleichzeitig und ungefiltert auf. In ihren Gehirnen findet dadurch eine permanente Reizüberflutung statt. Diese führt wiederum zu einem überlasteten Speicher (Gedächtnis) und, daraus resultierend, einer permanenten Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche. Schulprobleme sind also vorprogrammiert.

Die Folgen

Das ständige Gefühl des Versagens macht die Betroffenen wiederum traurig und frustriert. Häufig fühlen sie sich als Außenseiter. Bei den ruhigeren ADS-Kindern kann die Frustration sogar zu Depressionen führen. Die auffällig hyperaktiven ADHS-Kinder reagieren hingegen häufiger mit Aggressionen, Überreaktionen und auffallend schlechtem Sozialverhalten.

Aktuelle Forschungen gehen davon aus, dass es sich bei der Störung um einen Gendefekt handelt.

Man tut diesen Kindern und ihren Eltern also unrecht, wenn man sie als schwer erziehbar, dumm oder gar bösartig abstempelt.

Die Lösung bei ADS

Was kann man aber tun, damit der Betroffen doch noch ein halbwegs normales Leben führen kann?

1. Information

Zunächst einmal ist es wichtig, dass sowohl der Betroffene, als auch die Bezugspersonen (Eltern, Familienangehörige, Lehrer) über die Störung und dessen Symptome ausreichend informiert sind. Dadurch gelingt es ihnen zu verstehen, dass den Betroffenen und seinem Umfeld keine Schuld trifft. Leider ist in unserer deutschen Gesellschaft das Thema „Schuld“ immer und überall präsent. So wie andere Menschen Diabetes, Bluthochdruck oder Kreislaufprobleme haben, hat der ADS-Betroffene eben ADS. Nicht mehr und nicht weniger. Die Akzeptanz und Annahme der Störung ermöglichen eine liebevolle Integration des Kindes. Dies wiederum ist unabdingbar für eine gesunde Entwicklung.

2. Medikamente

Im nächsten Schritt sollte man einen Experten aufsuchen. In diesem Fall einen Kinder- und Jugendpsychiater, der entsprechende Testverfahren durchführt und gegebenenfalls die nötigen Medikamente verschreibt.

Auch wenn die Medikamente häufig verpönt werden, so bewirken sie doch in vielen Fällen eine deutliche Erhöhung der Konzentrationsfähigkeit. Das Lernverhalten verbessert sich ebenfalls. Bei der Entscheidung ist auch abzuwägen, ob die Vorteile des Medikaments nicht die Nebenwirkungen überwiegen. Ist es nicht sinnvoller das Kind zunächst zu entlasten und dafür zu sorgen, dass es einen einigermaßen guten Schulabschluss hinlegt, um nachher zumindest gleiche Chancen wie die anderen zu haben? Diese Frage sollten sich die Eltern ernsthaft beantworten und nicht leichtfertig abtun. Natürlich will man seinem Kind keine Medikamente geben, die ihm schaden oder starke Nebenwirkungen haben. Doch manchmal sind die Nebenwirkungen tatsächlich das kleinere Übel im Vergleich zu dem großen Leid, welches die Symptome verursachen können.

Alternative zu Ritalin

3. Therapie

Eine weitere Hilfe für betroffene Kinder stellt das Marburger Konzentrationstraining (MKT) dar. Das MKT verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und beruht auf einer Methode aus der kognitiven Verhaltenstherapie. Sie dient der Stärkung der Eltern, ebenso wie der des Kindes durch ein Training der Selbststeuerung. Die Interaktion zwischen Eltern und Kind wird dadurch gestärkt. Das MKT hat seit seiner Einführung im Jahre 1990 erstaunliche Erfolge vorzuweisen. So bestätigen wissenschaftliche Studien, dass sich das Leistungsverhalten der betroffenen Kinder um 83 % stabilisierte.

Ebenso haben sich entsprechende Entspannungsübungen bewährt, die den Betroffenen dabei helfen die Aufmerksamkeit nach innen zu richten und bestimmte Körperempfindungen wahrzunehmen. Dadurch wird die Aufmerksamkeit auf das Empfinden konzentriert und durch regelmäßiges Üben geschult. Empfehlenswert ist z.B. das autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung.

Weiterführende Literatur:

Marburger Konzentrationstraining
Marburger Konzentrationstraining (MKT) für Schulkinder
von Dieter Krowatschek, Gita Krowatschek und Caroline Reid

*Wenn du das Buch über diesen Link beziehst, erhalte ich eine kleine Gebühr. Diese nimmt keinen Einfluss auf den regulären Verkaufspreis.

 

Entspannungstraining